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Anastasia Kronauer | Pfälzische Weinkönigin

Was macht eine Weinkönigin?

Ein freundliches Lächeln versteht die ganze Welt


Sportsgeist zeichnet sicher alle jungen Frauen aus, die davon träumen, eines Tages Pfälzische Weinkönigin zu werden. Denn in der Regel hegt mehr als nur eine junge Pfälzerin Ambitionen auf den Titel. Folglich sind Qualifikationsrunden zu absolvieren, Ausscheidungen zu durchlaufen und Stunden der Bewährung zu überstehen. Auch eine Königin fängt klein an und der Weg zum Thron ist lang. Ihr Handwerk haben die meisten Weinhoheiten in ihrer Heimatgemeinde gelernt. Zahlreiche Landkreise, Städte und Gemeinden küren eine Repräsentantin für ihre Winzer und Weine. So wird man zur Weingräfin des Leinigerlandes, zur Weinprinzessin der Urlaubsregion Freinsheim oder der Stadt Landau, um drei Beispiele zu nennen.

Die jungen Frauen kommen meist aus Weinbaubetrieben, kennen die Arbeit des Winzers und ebenso die Wünsche der Weinkonsumenten – und sie haben trotz ihrer Jugend meist genaue Vorstellungen, wie ein guter Pfälzer Wein zu schmecken hat. Darüber sprechen sie bei zahlreichen Anlässen in der Stadt und auf dem Land.

So wird der Grundstein gelegt, und die eine oder andere bekommt Lust auf mehr. Dann flattern die Wein- und Gourmetzeitschriften ins Haus, füllt sich die Bücherwand mit Fachliteratur, trifft man sich mit Freuden zur Weinprobe. Im Hinterkopf: Liebäugeln mit dem Titel „Pfälzische Weinkönigin“. Auch die Pfalzweinwerbung tut das Ihre, um das Interesse bei den jungen Frauen zu wecken. Mehrmals im Jahr werden die Weinhoheiten der Pfalz zu Seminaren eingeladen. Da geht es mal um Barriqueweine, um Winzersekt oder Pfälzer Edelbrand, oder auch um Selbstsicherheit und Redefluss. Dann kann der große Abend kommen, der Krönungsball der Pfalzweinkönigin in Neustadts guter Stube, dem Saalbau. Egal, wie viele Kandidatinnen sich der Jury stellen, Grund zum Jubeln haben sie alle. Denn auf die Königin und die Prinzessinnen wartet gleichermaßen ein prall gefüllter Terminkalender mit vielen interessanten Begegnungen im In- und Ausland.

Von Kaiser Franz bis Präsident Obama: Der Terminkalender einer Weinkönigin ist prallvoll mit interessanten Begegnungen


300 bis 400 Termine sind in den anstehenden zwölf Monaten zu absolvieren, gut die Hälfte übernimmt die Pfälzische Weinkönigin. Grundsätzlich geht es um „Veranstaltungen mit offiziellem Charakter, bei denen das Auftreten der Weinhoheiten eine repräsentative oder angemessene Werbewirkung verspricht. Ein festlicher, stilvoller oder würdiger Rahmen muss hierbei gewährleistet sein.“ Was so trocken in den Richtlinien steht, entpuppt sich in der Wirklichkeit stets als höchst unterhaltsam und hochgradig spannend. Wer möchte nicht dem deutschen Bundeskanzler oder dem amerikanischen Präsidenten die Hand schütteln? Wer möchte nicht einmal mit Schwedens Königin Sylvia, Fußball-Kaiser Franz Beckenbauer oder Mutter Beimer anstoßen? Auch das erste Bad in der Menge steht schon an, ehe noch die Wahlstrapazen verdaut sind. Zuerst bei der Weinprobe der Pfälzischen Weinbruderschaft mit etwa 1.000 Teilnehmern, dann beim Deutschen Weinlesefestumzug durch die Straßen Neustadts.

Der Veranstaltungskalender eines Weinjahres ersetzt den privaten Timer der Weinhoheiten. Wein- und Tourismusmessen sind zu absolvieren, Journalisten auf Reisen durch die Pfalz zu begleiten, Winzer für Spitzenweine zu ehren. Viele Termine finden außerhalb des Anbaugebiets statt: das Interview beim Fernsehen, die Filmpreisverleihung oder die kulinarische Weingala. Immer ist eine intensive Vorbereitung notwendig, geistige Beweglichkeit ebenso wie räumliche Mobilität gefragt. Blicken ehemalige Pfälzer Weinhoheiten auf ihre Amtszeit zurück, so erwähnen sie mit Vorliebe auch Auftritte im Ausland. Schließlich präsentiert sich Pfälzer Wein nicht nur in der Region und bei den deutschen Weinfreunden, sondern auch auf etablierten oder viel versprechenden Exportmärkten wie etwa Großbritannien, China, Italien oder Estland. Es liegt auf der Hand, dass eine charmante junge Frau gerade in fernen Ländern viele Sympathien für den Wein aus ihrer Heimat gewinnt. Ein freundliches Lächeln versteht schließlich die ganze Welt.

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