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Als Küßchen noch tabu waren
Warum die ersten Pfälzer Weinköniginnen gleichzeitig
die Deutsche Weinkrone trugen

Ruth Bachroth, die 1. Pfälzische Weinkönigin, 1931
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NEUSTADT (pw.) Wenn im Herbst die Pfälzische Weinkönigin
gewählt wird, rückt damit auch die Wahl der Deutschen
Weinkönigin ins Blickfeld: Denn die ersten Pfälzer
Weinköniginnen vertraten gleichzeitig auch den deutschen
Wein insgesamt. Wie beispielsweise Elisabeth Keller, die als
Elisabeth Fitz 1937/38 mit einem Schlag zwei Weinkronen eroberte,
weil ”es ja sonst keine gab”, wie sie lachend
erläutert.
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Denn die Pfälzer hatten als erste die Idee, und sie waren
für viele Jahren die einzigen, die eine Repräsentantin
für ihr Weinbaugebiet kürten. 1931 machte Daniel Meininger
den Vorschlag, das schönste Mädchen beim Weinlesefest
in Neustadt zur Weinkönigin zu erklären. Elf Mal waren
danach die gekrönten Häupter aus der Pfalz auch Deutsche
Weinköniginnen. Die 1949 gewählte Elisabeth Kuhn aus
Diedesfeld - von 1940 bis 1947 fiel die Wahl der Kriegs- und
Nachkriegszeit wegen aus - war die letzte, die als Weinkönigin
der Pfalz gleichzeitig als Deutsche Weinkönigin amtierte. |

Cilly Seitz, Pfälzische Weinkönigin 1932
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Elisabeth Kuhn, Pfälzische Weinkönigin 1949
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Die erste Wahl fiel allerdings - eine Ironie der Geschichte
- nicht auf eine Schönheit aus der Weinbaugegend entlang
der Deutschen Weinstraße, sondern auf ein Mädchen
aus Pirmasens. Seither aber stammen alle pfälzischen Weinköniginnen
aus den Weinbauorten am Rand der Haardt. Dem Erfindungsreichtum
der Pfälzer in Sachen Weinwerbung zollen die anderen Weinregionen
noch heute Tribut: Weil die Idee aus der Pfalz stammte, erhält
- von wenigen Ausnahmen abgesehen - die Deutsche Weinkönigin
traditionell ihre Krone im Geburtsort der Idee, Neustadt an
der Weinstraße. |
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Einen ”wunderschönen Korb mit Präsenten”,
erinnert sich die aus Edenkoben stammende Elisabeth Keller,
habe es für sie nach der Wahl gegeben. Die Amtszeit selbst
mit Terminen vor allem entlang der Haardt, hat ihr viel Spaß
gemacht: ”Auf den Weinfesten war immer etwas los.”
Und eine ihrer Nachfolgerinnen, Ingrid Seyler aus Deidesheim,
die unter ihrem Mädchenamen Ingrid Schreck 1953/54 die
Pfalz repräsentierte, hat bei der Wahl sogar ihren späteren
Mann kennengelernt. |
 Christa Jung, Pfälzische Weinkönigin 1969
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Heidrun Wolf, Pfälzische Weinkönigin 1984-85
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Damals, in den fünfziger Jahren, wurden die Kandidatinnen
wie heute von einer Jury von Fachleuten befragt. So ernst war
die Weinköniginnen-Wahl, daß ein Notar die Stimmzettel
einsammelte, bevor sie am Abend ausgezählt wurde, erzählt
sie. Führungen von Gruppen aus dem Ausland, Reisen nach
Bayern, Düsseldorf und ins Sauerland - die Amtszeit einer
Pfälzer Weinkönigin war schon Mitte der fünfziger
Jahre mit etwa 180 Terminen ähnlich turbulent wie heute.
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Eines indes habe sich grundlegend geändert, betont die
frühere Weinkönigin, die heute in Wiesbaden lebt:
”Man ist heute viel freizügiger. Küßchen
hier und Küßchen da, das war zu meiner Zeit absolut
tabu.” Stattdessen gab es, ganz förmlich, auch für
die schönste Weinkönigin nur einen Handschlag. |

Marva Bergold, Pfälzische Weinkönigin 1985-86
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